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ZWISCHEN VER­FOLGUNG UND ZUSAMMENARBEIT DIE BEHINDERTEN­-BEWEGUNG IN DER DIKTATUR

Seit den 1920er Jahren wollten Menschen mit Behinderungen ein neues Gesetz.
Das Gesetz sollte ihnen helfen.
Viele Politiker wollten das Gesetz nicht.
Die Politiker hatten Angst, dass das Gesetz zu viel Geld kostet.
In den 1930er Jahren änderte sich die Politik.
Die Wirtschaft war schlecht und viele Menschen waren arbeitslos.
Die Krüppelarbeitsgemeinschaft konnte wenig dagegen tun.
Sie half jetzt nur noch ein bisschen.
Sie gab zum Beispiel kleine Hilfen an Menschen mit Behinderungen.

Im März 1938 wurde Österreich Teil vom Reich der Nationalsozialisten.
Die Leiter der Krüppelarbeitsgemeinschaft fanden das gut.
Damals gab es viele jüdische Mitglieder im Verein.
Mehr als 60 dieser Mitglieder durften nicht mehr im Verein sein.
Sie wurden ausgeschlossen, weil sie jüdisch waren.
Die Krüppelarbeitsgemeinschaft wurde dann auch verboten.
Einige Mitglieder gingen in einen neuen Verein.
Dieser hieß „Reichsbund der Körperbehinderten“.
Der Reichsbund war Teil einer Organisation der Nationalsozialisten.
Diese Organisation hieß „Nationalsozialistische Volkswohlfahrt“ oder NSV.
Die NSV kümmerte sich um soziale Aufgaben.
Sie gehörte zur Partei der Nationalsozialisten, der NSDAP.

Das Bild zeigt ein rundes, goldgelbes Abzeichen. <br/>In der Mitte vom Abzeichen ist ein Dreieck. <br/>Auf einem Dreieck ist ein Hakenkreuz. <br/>Ein Hakenkreuz war ein Zeichen der Nationalsozialisten. <br/>Unter dem Hakenkreuz steht RBK. <br/>Links und rechts vom Dreieck sind jeweils zwei schwarze Striche. <br/>Außen am Abzeichen ist eine schwarze Kette.
Abzeichen des Reichsbund der Körperbehinderten
Das Abzeichen gehört dem Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim.

Der Chef der Krüppelarbeitsgemeinschaft Georg Schauer schrieb:
„Die Körperbehinderten Deutsch-Österreichs erbieten herzliche Grüße und geben ihrer besonderen Freude über den Vollzug der großen geschichtlichen Geschehnisse Ausdruck. In Schicksalsverbundenheit mit ganzer Kraft für zukünftige positive gemeinsame Arbeit zum Wohle aller deutschen Körperbehinderten. Heil Hitler! Erste Österreichische Krüppelarbeitsgemeinschaft, Wien. Georg Schauer, Obmann“

Der Körperbehinderte 8 (1938) 4, 2
Telegramm der Vereinsleitung am 15. März 1938 an den Reichsbund der Körperbehinderten in Berlin

Als Österreich im Reich der Nationalsozialisten war, gab es ein Krüppelfürsorgegesetz.
Es war für eine besondere Gruppe von Menschen mit körperlichen Behinderungen.
Die Nationalsozialisten haben Menschen unterschiedlich behandelt.
Wer arbeiten konnte, bekam Hilfe.
Wer nicht arbeiten konnte, bekam nur wenig Unterstützung.
Es gab noch andere schlimme Dinge.
Menschen mit bestimmten Behinderungen waren gefährdet.
Zum Beispiel Menschen mit einer Gaumenspalte.
Sie mussten oft gegen ihren Willen eine Operation machen.
Das nennt man Zwangssterilisation.
Manche konnten nicht arbeiten.
Sie waren deshalb in großer Gefahr.
Viele von ihnen wurden von den Nationalsozialisten getötet.

Foto von einer Hochzeit vor dem Rathaus in St. Pölten.<br/>Über dem Eingangstor ist ein Hakenkreuz.
Im Reichsbund der Körperbehinderten gab es immer mehr Chefs aus der NSDAP.
Viele Menschen ohne Behinderung bekamen im Reichsbund wichtige Aufgaben.
Ein Foto zeigt eine Hochzeit in der Stadt St. Pölten.
Die Hochzeit war am 27. Februar 1944.
Die Frau, die dort geheiratet hat, war Chefin vom Reichsbund in St. Pölten.

Viele Menschen mit körperlichen Behinderungen konnten arbeiten.
Diese Menschen mit Behinderungen bekamen besondere Hilfe.
Zum Beispiel:
Sie bekamen einen Rollstuhl.
Sie durften einen Beruf lernen.
Wichtige Information:
Nicht alle Menschen mit Behinderung bekamen diese Hilfe.

Die Fürsorge der Nationalsozialisten hat Menschen nicht mehr direkt geholfen.
Sie hat nur noch ihren Zielen und dem Krieg gedient.
Menschen mit Behinderungen mussten in der Rüstungs-Industrie arbeiten.
Also in Fabriken, in denen Waffen oder andere Dinge für den Krieg hergestellt werden.
Sie mussten unter schlechten Bedingungen arbeiten.
Niemand hat auf ihre Behinderung geachtet.
Die Nationalsozialisten sagten: Jeder muss arbeiten.
Damit sollten die Menschen sich selbst helfen.
So hat der Staat seine Hilfe verändert.

Egon Morgenstern war ein Rechtsanwalt in St. Pölten.
Ein Rechtsanwalt hilft anderen Menschen bei Fragen zum Gesetz.
Egon Morgenstern wurde im Jahr 1899 geboren.
Er ist im Jahr 1970 gestorben..
Egon Morgenstern hatte gelähmte Beine.
Er brauchte Stöcke, die beim Gehen helfen.
Er brauchte auch Beinschienen.
Das sind feste Stützen für die Beine.
Im Jahr 1935 wurde Egon Morgenstern Chef der Gruppe in St. Pölten gewählt.
1938 hat die Vereinleitung Egon Morgenstern ausgeschlossen.
Das war, weil Egon Morgenstern Jude ist.
1939 konnte Egon Morgenstern fliehen und überleben.
Nach dem Krieg kehrte er nach St. Pölten zurück.

Das Bild zeigt ein Familienfoto.<br/>Vorne Baby Hans auf dem Schoß seiner Mutter Stella Morgenstern.<br/>Dahinter steht Egon Morgenstern mit einer Krücke unter seiner linken Schulter.
Das Foto gehört dem Institut für jüdische Geschichte Österreichs.
Es zeigt Egon Morgenstern mit Frau Stella und Sohn Hans in St. Pölten im Jahr 1938.

Otto Weidhaus wurde 1906 in Wien geboren.
Er ist im Jahr 1969 gestorben.
1926 trat Otto Weidhaus einer Krüppelarbeitsgemeinschaft bei.
Otto Weidhaus war ein aktives Mitglied.
Er wollte für den Verein eine Firma gründen.
Dieser Plan wurde aber nicht verwirklicht.
Otto Weidhaus benutzte einen Rollstuhl.
Zu der Zeit der Nationalsozialisten war Otto Weidhaus Mitglied in der NSDAP.
Die NSDAP war die Partei der Nationalsozialisten.
Otto Weidhaus arbeitete als Leiter beim Reichsbund der Körperbehinderten.
Er war der Chef für Wien und Niederösterreich.
Nach 1945 wollte niemand mit Otto Weidhaus zu tun haben.

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