DAS MOTTO: ARBEIT, NICHT MITLEID!
Siegfried Braun rief in der Zeitung auf.
Menschen mit Behinderungen sollen sich zusammenschließen und sich selbst helfen.
Die Menschen machten mit.
Marie Zöchling hat in St. Pölten eine Gruppe gegründet.
Sie hat auch einen Betrieb gegründet.
Menschen mit Behinderungen haben dort einen Beruf gelernt.
In Wien gab es auch einen Betrieb.
Die Betriebe wurden von Menschen mit Behinderungen geleitet.
Die Arbeitsgemeinschaft wollte Menschen mit Behinderungen Arbeit geben.
Sie wollte auch Ausbildungsplätze schaffen.
So können junge Menschen einen Beruf lernen.
Dann haben sie bessere Chancen auf eine Arbeitsstelle.
Sie zeigte, Menschen mit Behinderungen können gut arbeiten.
Es wurden 60 Arbeitsplätze geschaffen.
Die Arbeitsplätze waren ohne Hindernisse.

Die Textil-Werkstätten waren in Wien und in St. Pölten.
Diese waren groß.
Der Verein hat sechs Betriebe.
Frauen sollten genug Geld verdienen.
Mädchen sollten eine Ausbildung bekommen.
In der Vereins-Zeitschrift ist zu lesen:
Der Krüppel 8 (1934) 5/6, 24
„Der Vorschlag von Kollegin Rand lautet auf die Gründung eines Komitees, welches aus weiblichen Mitgliedern bestehen und dem Zwecke dienen soll, Anregungen und Vorschläge, welche geeignet sind, des Krüppels Los zu verbessern oder zu dessen Lebensfreude beizutragen, einer teilweisen Verwirklichung zuzuführen.“
Frauen und Männer haben im Verein zusammengearbeitet.
Der Verein hat geschlechter-sensible Sprache verwendet.
Das zeigt, Frauen sind wichtig.
Frauen werden beachtet.
Frauen haben im Verein mitbestimmt.
Die Werkstätten dienten als gutes Beispiel.
Sie zeigten, wie sich Menschen mit Behinderungen die Hilfe vorstellten.
Hilfe für Menschen mit Behinderungen nannte man früher “Krüppelfürsorge”.
Menschen mit Behinderungen wollten keine Rente bekommen.
Sie wollten lieber andere Hilfe.
Sie wollten Hilfe für ihre Ausbildung.
Sie wollten Hilfe, damit sie Geld verdienen können.
Alle Menschen mit Behinderungen, die arbeiten wollen, sollten diese Hilfe bekommen.
In der Vereins-Zeitschrift schreibt Siegfried Braun:
Siegfried Braun in Der Krüppel 2 (1928) 2, 23
„Unsere Forderung ist: Die Rente nur dort, wo Arbeitsmöglichkeit aus irgend einem Grunde ganz unmöglich ist; aber in solchen Fällen muss diese ausreichend sein.“

Korbflecht-Werkstatt der Ersten österreichischen Krüppelarbeitsgemeinschaft in St. Pölten
Siegfried Braun schreibt in der Vereins-Zeitschrift:
Siegfried Braun in Der Krüppel 9 (1935) 3/4, 12
„Die Krüppelarbeitsgemeinschaft darf stolz feststellen, wenn es auch wie ein Tropfen auf den heißen Stein ist, die einzige Stelle in Österreich zu sein, welche Krüppeln Lern- und Arbeitsmöglichkeiten bietet. Es wäre nun an der Zeit, dass die Behörden in eigener Regie dieses durchgeführte Beispiel der Produktivmachung von Krüppeln nachahmen […].“

Marie Zöchling
Marie Zöchling (1900-1932) arbeitete in der Stadtverwaltung von St. Pölten.
Sie lebte mit einer starken Wirbelsäulen-Verkrümmung.
Marie Zöchling war die Chefin der Gruppe in St. Pölten.
Sie war eine wichtige Person in der Krüppelarbeitsgemeinschaft.
Sie hatte eigene Ideen für die Hilfe für Menschen mit Behinderungen.
Das gehört dazu:
Junge Menschen bekommen eine Ausbildung.
Menschen mit Behinderungen haben einen Beruf und verdienen Geld.
Menschen mit Behinderungen sollen sich selbst mögen.
Sie sollen gut über sich denken.
Marie Zöchling hat mit anderen Frauen im Verein zusammen gearbeitet.
Gemeinsam haben sie sich für die Wünsche der Frauen eingesetzt.
Marie Zöchling wurde krank und starb 1932.
“Die beste Hilfe für Krüppel ist die Arbeitsbeschaffung”
Der Krüppel 1 (1927) 6, 48

Das Abzeichen gehört dem Wiener Stadt- und Landesarchiv. Jakob Kohn schreibt über das Abzeichen in der Vereins-Zeitschrift:
„[…] Kameraden, traget dieses Abzeichen; es hilft mit, unser Ziel zu erreichen, unser Ziel: gleichwertige Menschen in der Gesellschaft zu werden durch die Verwirklichung unseres Rufes nach ‚Arbeit – nicht Mitleid!‘“
Der Krüppel 1 (1927) 9, 69

Nähstube der Ersten österreichischen Krüppelarbeitsgemeinschaft in St. Pölten
Die Krüppelarbeitsgemeinschaft darf stolz feststellen, wenn es auch wie ein Tropfen auf den heißen Stein ist, die einzige Stelle in Österreich zu sein, welche Krüppel Lern- und Arbeitsmöglichkeiten bietet. Es wäre nun an der Zeit, dass die Behörden in eigener Regie dieses durchgeführte Beispiel der Produktivmachung von Krüppel nachahmen […].
Siegfried Braun in Der Krüppel 9 (1935) 3/4, 12
Nächstes Kapitel:
Zwischen Verfolgung und Kollaboration. Die Behindertenbewegung in der Diktatur